Archives (Deutsch)

Wie ein Kölner Museum das koloniale Erbe aufarbeitet

Title: Wie ein Kölner Museum das koloniale Erbe aufarbeitet
Author: Sabine Oelze
Media Outlet: DW.com
Publish Date: Oct. 1st, 2019

Das IIP ist ein Versuch, auf Augenhöhe zu agieren. Es geht nicht nur um Restitution, sondern auch um Kooperationen und eine bessere Erforschung der Objekte. Denn die bekannten Daten seien längst "nicht immer ausreichend". (…) Es geht auch darum, Wissen und Vertrauen zu gewinnen. "Es gibt Misstrauen gegenüber den ehemaligen Kolonialherren", hervorgerufen durch Jahrhunderte ungleicher Machtverhältnisse, so Snoep. Zeit spiele eine große Rolle, es gehe jetzt um "ein erstes Kennenlernen" - denn die geopolitischen Machtverhältnisse würden sich ändern. "Eine Kooperation auf Augenhöhe, wie wir sie mit dem IIP ausprobieren, ist die Zukunft", ist sich Snoep sicher.

Zurück nach Hause

Title: Zurück nach Hause
Author: Susanne Memarnia
Media Outlet: TAZ
Publish Date: Sept. 18, 2019

“Förster betonte, man wolle mit den Objekten „einen Beitrag leisten zur Debatte über den Genozid“ und das deutsch-namibische Verhältnis – und daher nicht nur „Wissen an Namibia weitergeben, sondern auch Objekte“. Die Namibier hätten das Sagen bei diesem Projekt: Die Initiative dazu sei von ihnen ausgegangen, sie hätten auch die Fragen bestimmt, die an die Objekte gerichtet werden: „Der Zugang zu den Objekten geht von Deutschland nach Namibia. Die 23 sind nun Wegbereiter, andere Objekte werden ihnen folgen.“

Dass die 23 Objekte nicht förmlich an Namibia restituiert werden, sondern – zunächst – nur für drei Jahre ausgeliehen, stieß allerdings umgehend auf Kritik.

Scham und Stolz

Title: Scham und Stolz
Author: Andreas Rossmann
Media Outlet: Frankfurter Allgemeine
Publish Date: September 6, 2019

“(…) Die Bedeutung der Rückgabe für die Afrikaner stellte die Künstlerin und „feministische Denkerin“ Njoki Ngumi heraus: Welche Lücken die Objekte in der Geschichte des Kontinents hinterlassen und wie sich diese durch die Abwesenheit verändert haben – das seien Themen, auf die das Publikum in Kenia neugierig sei.”

Restitution als Chance

Title: Restitution als Chance
Author: Andreas Fanizadeh
Media Outlet: Taz
Publish Date: March 10, 2019

“Die eigentliche Übergabe-Zeremonie findet am 28. Februar in dem 3.000 Einwohner*innen zählenden Dorf Gibeon statt, bis heute Zentrum der Witbooi.
(...) Das namibische Staatsfernsehen überträgt live, als der amtierende Präsident Hage Geingob spricht. Inés de Castro sowie Theresia Bauer überreichen Nama-Repräsentantinnen die Witbooi-Bibel und -Peitsche und halten sie zusammen mit Präsidenten Geingob in die Kamera. Hanse-Himarwa bittet Inés de Castro spontan zu einer Stellungnahme vor der Menge.”

Die verdrängte Debatte

Title: Die verdrängte Debatte
Author: Bénédicte Savoy
Media Outlet: Süddeutsche Zeitung
Publish Date: March 3, 2019

“Schon vor vierzig Jahren diskutierte Europa über die Restitution kolonialer Sammlungsbestände. Seitdem hat sich in der Debatte zu wenig getan.

(…) Wir entdeckten auch in Paris und Berlin ganze Aktenkonvolute in Verwaltungs- und Pressearchiven, aus denen hervorgeht, dass die Debatte um kolonialzeitliche Sammlungen in europäischen Museen schon einmal ausführlich stattgefunden hat, vier Jahre lang, zwischen 1978 und 1982, als wir Schulkinder waren.

(…) Es ist für Historiker kein Leichtes, die Geschichte nicht eingelöster Möglichkeiten, des Erstickens und Verdrängens historischer Optionen zu schreiben. Schriftliche Quellen fehlen oft. Lobby- und Verhinderungsarbeit vollziehen sich meist außerhalb schriftlicher Koordinatensysteme. Was waren die Strukturen, Kräfte und Hierarchien der frühen Achtziger, die überall in Europa dafür sorgten, dass das Projekt einer geordneten und fairen Rückgabe von Kulturgütern an die (wie man damals sagte) "Dritte Welt", wie sie von verschiedenen Regierungen ernsthaft erwogen wurde, nicht weiter verfolgt werden konnte?”

Dino soll nach Hause

Title: Dino soll nach Hause
Author: Ronald Düker
Media Outlet: Die Zeit
Publish Date: January 31, 2019

(…) In der Provenienzdebatte sieht Vogel einen zentralen Unterschied zwischen Artefakten und naturkundlichem Material. Die am Tendaguru ausgegrabenen Fossilien seien doch nur der Rohstoff der eigentlichen Konstruktionsleistung gewesen: »Eine Maske oder ein Thron – die sind für mich der Ausdruck der Identität und der handwerklichen Fähigkeit jeweils einer bestimmten Ethnie. Andererseits ist der Brachiosaurus hier in Berlin ebenfalls der Ausdruck der Kunstfertigkeit und der Identität einer bestimmten Ethnie. Das ist die Ethnie der Berliner Paläontologen.«

Der Kolonialismus? » Per se ein Unrechtskontext«, sagt Vogel und möchte doch auch hier differenzieren. Die Arbeiter der Saurier-Expedition seien, im historischen Kontext betrachtet, relativ gut behandelt und bezahlt worden. Zum Unterschied: »Die Benin-Bronzen sind im Zuge einer Strafexpedition angeeignet worden, woraufhin Teile des Feldzugs durch den Erlös dieser Objekte wieder refinanziert worden sind. Das kann man mit den Grabungen am Tendaguru ganz und gar nicht vergleichen.«

Wir sollten keine Bedingungen stellen

Title: Wir sollten keine Bedingungen stellen
Author: Hans-Joachim Müller
Media Outlet: Die Welt
Publish Date: January 30, 2019

“Inés de Castro wurde bekannt durch ihre Absage ans Berliner Humboldt-Forum. Sie wollte lieber Direktorin in Stuttgart bleiben. Dort erfindet sie gerade das ethnologische Museum neu. Ein Gespräch über die Grenzen der Forschung und die Angst vor leeren Museen."

(…) „Die Wiedereröffnung der Afrika-Abteilung fällt zusammen mit einer bedeutsamen Restitution. Es geht um die Rückgabe der Bibel und die Peitsche von Hendrik Witbooi, die 1902 als Schenkung an unser Museum kam. Witbooi war während der Kolonialzeit ein wichtiger Anführer der Nama-Gruppen – und wird heute als Nationalheld Namibias gefeiert. Bei einem blutigen Angriff deutscher Kolonialtruppen wurde die Bibel mit handschriftlichen Anmerkungen der Witbooi-Familie erbeutet. Die Rückgabe, die das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart beschlossen haben, wird schon Ende Februar in einem offiziellen politischen Akt erfolgen.“

(…)

„Wir richten unsere Afrika-Abteilung tatsächlich ganz neu ein – kooperativ, zusammen mit einem Beirat von Stuttgartern mit afrikanischen Wurzeln, der schon seit zwei Jahren mit uns daran arbeitet, und zusammen mit zahlreichen Vertretern aus verschiedenen afrikanischen Ländern. Die Ausstellung wird heißen „Wo ist Afrika?“. Wir setzen ausdrücklich ein Fragezeichen, wollen nicht mehr „Afrika“ darstellen. Es wird eine innovative Ausstellung, die viele unterschiedliche Geschichten erzählt und sich auch mit der Rolle des Museums auseinandersetzt.“

„An manchen Objekten klebt Blut“ Bénédicte Savoy im Gespräch mit René Aguigah

Title: „An manchen Objekten klebt Blut“ Bénédicte Savoy im Gespräch mit René Aguigah
Author: René Aguigah
Media Outlet: Deutschlandfunk Kultur
Publish Date: January 20, 2019

(…) “Zur Bedeutung von Museen heute: „Ich glaube auch an die Ruhe in den Museen. Gerade in unseren sehr bewegten Zeiten. An Momente, wo man in sich kehren kann und im Dialog mit einem Gegenstand und in Ruhe sich Fragen stellen kann, die außerhalb des Habens, des Werdens, des Effektivseins liegen, die eben poetische Fragen sind, und, ja, die Poesie soll allen zugänglich sein. Oder die Möglichkeit, in sich selbst Poesie zu spüren. Ja, und nicht nur allen in Europa, also nicht nur den Erben dieser großen Kulturgutverlagerung, die auch noch ein Privileg der Mobilität haben, sondern auch diejenigen, woher diese Objekte kommen.“

Interview mit neuer RJM-Direktorin „Ethnologie beginnt draußen vor der Tür“

Title: Interview mit neuer RJM-Direktorin „Ethnologie beginnt draußen vor der Tür“
Media Outlet: Kölnische Rundschau
Publish Date: January 18, 2019

„Man muss die Erwerbsgeschichte der Objekte genau erforschen und transparent mit diesem heiklen Erbe umgehen. Rückgabedebatten um ethnologische Museen haben sich deshalb so polarisiert, weil diese zu lange gesagt haben: Nein, bei uns ist alles in Ordnung.“